Heute bin ich…
Ausbrecherin. Ob du’s glaubst oder nicht – diese Tage gibt es. Zugegeben sind sie selten. Aber an manchen Tagen nehme ich Reißaus vor meinen selbst gesteckten Zielen und festgelegten Regeln, vor den Eigentlich-Müsste-Ich’s und den Normalerweise-Würde-Ich-Nun’s. Dann stelle ich die Welt auf den Kopf, reiße alle Fenster auf und springe hinaus, statt, – wie ich normalerweise zu tun pflege -, aus der Tür zu treten. Ja, diese Tage gibt es. Aber meistens enden sie an dem Punkt, wo ich draußen lande, die Freiheit spüre, die ich mir gewünscht habe, aber leider auch eine gewisse Orientierungslosigkeit. Und dann drehe ich mich um, klettere wieder durchs Fenster, setze mich in meinen Sessel und spüre noch dem kleinen Luftzug nach, der hereinkam, als die Fenster offen waren. Und wenn der Wind sich gelegt hat, folge ich wieder meinen Zielen und spiele nach den Regeln.
Weil das nicht besonders nachhaltig ist, plane ich heute meine kleinen Ausbrücke. Es muss ja nicht immer alles auf einmal sein. Vielleicht höre ich heute mal Musik, die ich sonst nie höre, – einfach nur, um zu sehen, wie sich das anfühlt. Und morgen gehe ich weiter geradeaus, wo ich normalerweise links abbiege. Wo ich da wohl herauskomme? Und wenn ich dann noch Lust habe, mache ich meine Aufgaben in der falschen Reihenfolge, – weil es lustig ist und ich dann mehr aufpassen muss, was ich da eigentlich tue. Ich mache heute lieber einen Kopfstand, als gleich die ganze Welt auf den Kopf zu stellen. Erstaunlich, welche Auswirkungen das schon hat!