Heute bin ich…
Umstellt. Große Gedanken und nagende Fragen habe ich fein säuberlich zu massiven Ziegelsteinen geformt und um mich herum aufgestapelt. Wie eine hohe, stabile Mauer umgeben sie mich. Wirklich schön ist sie nicht, die Mauer. Im Gegenteil: Sie trennt mich von Mut, Freude und der schönen Aussicht auf das Helle, das vor mir liegt. Als wären meine Hände nicht fähig, etwas Besseres zu schaffen. Als könnte im Sorgen nicht auch eine gewisse Kunst liegen. So drehe ich mich im Kreis, da die Ziegelmauer mir relativ wenig Platz zum Gegen lässt. Der Versuch, gegen einen der Steine zu treten, liegt nahe. Doch von brachialer Gewalt sind die Sorgen-Ungetüme wenig beeindruck. Dafür tut jetzt mein Fuß weh.
Sorgenmauern zu zerstören, ist kein leichtes Unterfangen. Das ist nicht mit einem Lächeln oder einem kurzen Gebet getan. Das merke ich auch jetzt erneut. Ich bringe meine großen Gedanken, meine nagenden Fragen vor Gott, doch in den seltensten Fällen schnipst er mit dem Finger und die Wand löst sich auch. Ich bringe meine Gedanken und Fragen vor Gott und es folgt mehr oder weniger ein Tauschgeschäft: Sorgenziegel gegen Werkzeug.
Mit diesem Werkzeug mache ich mich an die mühevolle Arbeit: Da haue ich eine Kante weg, dort schnitze ich kleine Linien, bohre Löcher. Ich bearbeite jedes Gedankenkonstrukt, jeden Sorgenturm, jeden undurchsichtigen Stein. Ich haue die überflüssigen Ängste und unlösbaren Fragen weg, bis ich vor der eigentlichen Herausforderung stehe. So bedrohlich sieht sie auf einmal gar nicht mehr aus. Die fertige Skulptur nehme ich in die Hand und stelle sie an ihren Platz. So in meinem Garten verteilt mauern sie mich nicht mehr ein. Jede bekommt ihren Platz und ich wandle durch sie hindurch und genieße die Freiheit.