„Unplanmäßig zum Halten gekommen“

Heute bin ich…

Noch nicht ganz da. Als wäre mein Zug kurz vor dem Ziel auf offener Strecke „unplanmäßig zum Halten gekommen“, wie es in der Bahnsprache so schön verklausuliert heißt. Und keiner weiß so genau, wieso. Ich am aller wenigsten. Wir stehen einfach. Auch die Lautsprecher schweigen. Es gibt zwei Möglichkeiten, – nein, eigentlich sind es drei. Normalerweise würde ich panisch gestresst mein Handy aus der Tasche kramen und immer wieder auf „aktualisieren“ drücken in der Hoffnung, dass mir die roten Zeichen in der App sagen, wie viel Verspätung wir haben und warum. Meistens kommt außer einem erhöhten Puls bei dieser Methode nicht viel heraus. Ich könnte natürlich auch die Zugbegleiterin fragen, ob sie etwas weiß. Dann fährt der Zug zwar auch noch nicht weiter, aber ich bin vielleicht etwas schlauer und ruhiger geworden. Oder ich schaue mir einfach mal die Umgebung da draußen an. Oft lernt man so ja ganz unbekannte Landschaften kennen.

Mein Zug ist unplanmäßig zum Halten gekommen. Methode Nr. 1 bringt schon beim Bahnfahren nicht viel. Die Größe der Verspätung abzuschätzen, bringt erst etwas, wenn der Zug wieder rollt. Ich habe die Vermutung, dass diese Methode in meiner Situation ebenso zwecklos sein dürfte. Panisch-gestresst im Kopf die To-Do-Listen zu wälzen und zu aktualisieren, bringt erst wieder etwas, wenn die Energie da ist, sie auch anzugehen. Dann kann ich immer noch sehen, wie sehr sich der Zeitplan verzögert hat.
Ich könnte auch mit einem Gegenüber, im Gebet oder beim Schreiben versuchen herauszufinden, weshalb ich mitten in der Woche so ausgebremst wurde. Davon allein rollt das Leben zwar nicht wieder, aber die eigenen Gefühle und Gedanken zu kennen, ist grundsätzlich nie schlecht. Oder ich gönne mir jetzt die Pause, schaue, was um mich herum passiert, als unbeteiligte Beobachterin. Und irgendwann spüre ich, wie es einen Ruck gibt und alles wieder ins Rollen kommt.

Thank you for traveling. – Wir freuen uns, Sie bald wieder an Bord begrüßen zu dürfen.

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