Schon lange herrscht hier Stille auf dem Blog. Das ist vielen innerlichen und äußerlichen Umbrüchen geschuldet. Doch heute möchte ich mal wieder einen kleinen Text von mir mit euch teilen. Und vielleicht in nächster Zeit auch wieder öfter…Mal sehen, was noch kommen wird.
Der Text ist Ergebnis nach meinem Spaziergang gestern. Zur Zeit liebe ich es, dem Gras durchs Haar zu strubbeln oder meine Hand an den alten Nussbaum auf dem Feld zu legen und durch seine Rinde diese unbändige Kraft zu spüren, die ihn seit Jahren weise und widerständig dem Wind trotzen lässt.
Zerbrechlichkeit des Augenblicks
Ich sehe da etwas
– im gleißenden Weiß des anfliegenden Storches.
Ich spüre da etwas
– hinter der groben Rinde des großen Nussbaumes.
Stärke, Würde,
Heiligkeit und Zärtlichkeit.
Ist es nicht viel wichtiger,
dass ich sie spüre,
als dass ich einen Namen für sie habe?
Wir Menschen sind schnell im benennen.
Wenn wir etwas benennen können,
können wir es ordnen.
Kategorisieren.
Nach Namen. Alphabetisch.
Oder nach Datum.
In chaotischen Situationen nimmt diese Vorliebe für Ordnung
– so scheint es mir zumindest –
noch zuzunehmen.
Dann wird alles benannt, geordnet, kategorisiert.
Doch es gibt Dinge, die nicht eingefangen werden können,
weil sie größer sind als Sprache und Sinn.
Diese Dinge können wir nur erspüren.
In verletzlichen Momenten,
in denen wir uns öffnen
für unsere Verletzlichkeit,
aber auch für die Verletzlichkeit
unseres Gegenübers,
für die Zerbrechlichkeit
des Augenblicks.
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