Am Palmsonntag durfte ich im Rahmen meines Gemeindepraktikums in der Martinskirche in Albstadt-Ebingen predigen. Manche haben schon gefragt, ob man die Predigt auch hören oder lesen darf. Klar! Auf dem YouTube-Kanal der Evangelischen Kirchengemeinde Ebingen findet ihr sie als Podcast und wenn ihr sie lieber lesen wollt, findet ihr sie auch hier:)
Wir begleiten heute Jesus auf seinem Weg nach Jerusalem. Auf seinem Weg in Richtung Kreuz, in den Tod. Am Anfang dieser Karwoche schauen wir auf seine Schritte. Es sind Schritte ins Ungewisse. Wie wird seine Zeit in Jerusalem wohl sein? Wie wird sie enden? Er ahnt, was da kommen wird. Den Jüngern hatte er da schon etwas angekündigt. Jesus geht den Weg in die Dunkelheit. Für ihn als Menschen ist das Ende unwirklich, ungewiss und schwer. Und doch – als Sohn Gottes hat er die Gewissheit: Gott hat diesen Weg in der Hand. Sein himmlischer Vater ist das Ziel.
Ein jeder Weg beginnt jedoch mit einem ersten Schritt. Das weiß wohl auch der Autor des Hebräerbriefs. Ich lese den Predigttext – Ausschnitte aus Hebräer 11 und 12.
11 1Der Glaube ist ein Festhalten an dem, worauf man hofft – ein Überzeugtsein von Dingen, die nicht sichtbar sind. 2 Aufgrund ihres Glaubens hat Gott den Alten das gute Zeugnis ausgestellt.
8 Aufgrund seines Glaubens gehorchte Abraham, als Gott ihn rief. Er brach auf zu einem Ort, den er als Erbe bekommen sollte. Und er zog fort, ohne zu wissen, wohin er kommen würde. 9 Aufgrund seines Glaubens lebte er als Fremder in dem Land, das Gott ihm versprochen hatte – ein Land, das ihm fremd war. Er wohnte in Zelten mit Isaak und Jakob, die Miterben derselben Verheißung waren. 10 Er wartete nämlich auf die Stadt, die auf festen Grundsteinen steht – die Stadt, die Gott selbst geplant und gegründet hat. 11 Aufgrund ihres Glaubens erhielt sogar Sara die Kraft, Mutter zu werden – obwohl sie keine Kinder bekommen konnte. Denn sie war schon zu alt. Aber sie hielt den für treu, der ihr das versprochen hatte. 12 Deshalb stammen von einem einzigen Mann so viele Nachkommen ab – noch dazu von einem, der schon zeugungsunfähig war. Sie wurden so zahlreich wie die Sterne am Himmel – wie der Sand am Meeresstrand, den man nicht zählen kann.
39 Aufgrund ihres Glaubens hat Gott ihnen allen ein gutes Zeugnis ausgestellt. Aber sie haben nicht empfangen, was Gott ihnen versprochen hatte. 40 Denn Gott hat für uns etwas Besseres vorgesehen. Deshalb sollten sie nicht ohne uns zur Vollendung gelangen.
12 1 Wir sind also von einer großen Menge von Zeugen wie von einer Wolke umgeben. Darum lasst uns alle Last abwerfen, besonders die der Sünde, in die wir uns so leicht verstricken. Dann können wir mit Ausdauer in den Kampf ziehen, der vor uns liegt. 2 Dabei wollen wir den Blick auf Jesus richten. Er ist uns im Glauben vorausgegangen und wird ihn auch zur Vollendung führen. Er hat das Kreuz auf sich genommen und der Schande keine Beachtung geschenkt. Dies tat er wegen der großen Freude, die vor ihm lag: Er sitzt auf der rechten Seite von Gottes Thron. 3 Denkt doch nur daran, welche Anfeindungen er durch die Sünder ertragen hat. Dann werdet ihr nicht müde werden und nicht den Mut verlieren.
Soweit der Predigttext…
Ein jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt. So reitet Jesus durch das Stadttor von Jerusalem. So verlässt Abraham sein Heimatland und macht sich auf den Weg ins Unbekannte. So stehe ich heute zum ersten Mal aufgeregt vor einer Gemeinde, vor einem Altar, und predige.
Bei all dem gibt es eine Gemeinsamkeit: Jesus weiß, dass er sterben muss, damit die Verheißung Gottes an sein Volk erfüllt werden kann. Abraham geht los, weil Gott ihm ein neues Land versprochen hat. Ich stehe hier, weil ich glaube, dass Gott mich mit meinen Gaben später als Pfarrerin einsetzen möchte. Auch wenn es oft nicht offensichtlich sichtbar ist: Da ist ein Ziel am Ende des Weges. Und da ist ein Versprechen Gottes, das über dem Weg steht.
In meiner persönlichen Bibel habe ich einmal alle Aufträge und Aufforderungen, die mir beim Lesen begegneten, rot markiert – und alle Versprechen Gottes grün. Was mir dabei auffiel, war Folgendes: Sehr oft folgt auf eine rote Zeile eine grüne. Gottes Versprechen ist da: Wage es, loszugehen. Ich komme Dir entgegen. Traue Dich, den ersten Schritt zu tun. Ich werde Dich begleiten.
Aus dieser Verheißung kommt uns Kraft zu. Kraft zum ersten Schritt. In der Karwoche erfahren wir, dass es für Jesus keineswegs einfach war, diesen Weg zu gehen. Doch er bekam Kraft aus der Verheißung Gottes, dass Er Sein Volk retten will. Er bekam Kraft zu diesem Weg in die Dunkelheit.
Und wie der Brief an die Hebräer besagt: Auch Abraham wusste nicht, wohin er kommen würde, sollte er losgehen. Aber er bekam Kraft aus dem Versprechen Gottes, dass es ein Ziel gibt. Kraft, wegzugehen von allem, was ihm vertraut war.
Ja, aus dem Glauben kommt Kraft – die Kraft, auch ohne letzte Beweise, dass es klappen wird, loszugehen. So viele vor uns – große Persönlichkeiten wie Abraham und auch kleine unscheinbare – haben sich schon auf den Weg gemacht. Sie alle hatten ein Ziel vor Augen. Und dieses hat Gott auch uns in Aussicht gestellt: Ein Leben mit Ihm – Jetzt und in Ewigkeit. Doch dafür müssen wir wagen loszugehen. Denn dazu sind wir aufgefordert. Die Verheißung, dass Gott auch hier schon sichtbar wird, soll mit uns vollendet werden.
Der Glaube selbst hält an dieser unsichtbaren Kraft fest. Der Glaube hofft auf das Unsichtbare. Durch ihn wird das Unsichtbare sichtbar, wie der Wind sichtbar wird durch die bewegten Blätter der Bäume. Gottes Verheißung sichtbar machen durch unseren Lebensweg, dazu sind wir aufgerufen. Eine große Aufgabe…
Doch ein jeder Weg beginnt mit einem ersten Schritt.
Der Weg zur Versöhnung, nach einem Streit auf einen lieben Menschen zuzugehen und die Aussprache zu suchen, beginnt mit einer ersten Frage.
Der Weg, Trauernde zu trösten, beginnt mit einem ersten „Ich höre dir zu.“
Der Weg, mehr Gerechtigkeit in dieser Welt zu schaffen, beginnt mit der ersten Tasse Kaffee am Morgen.
Jesus ging los, um etwas zu schaffen, was Ewigkeitswert besitzt. Sein Ende ist unser Anfang.
Nun stellt sich auch uns die Frage: Was hat Ewigkeitswert? Was ist mein fremdes Land? Wohin muss ich den ersten Schritt wagen? Welche Beziehung ist im Unreinen? Wo übergehe ich die Interessen anderer? Oder wo unterschätze ich mich, wo kann ich mehr aus dem machen, was mir gegeben ist?
Jesu Weg war keineswegs einfach. Am einen Tag noch jubelt ihm eine Menschenmenge zu. An einem anderen Tag stellen sich Menschen gegen ihn. Es mag sein, dass auch Ihr Weg, mein Weg, unsere Lebenswege kein Spaziergang sind, wenn wir nach dem suchen, was Ewigkeitswert hat. Doch über dem Weg steht die Verheißung Gottes, dass Jesus vollenden wird, was er damals angefangen hat.
Dass er sein Werk vollenden wird, heißt aber nicht, dass wir nichts zu tun brauchen. Wir sind die Läufer, die sich anstrengen. Es ist Jesus, der uns vorausgelaufen ist und uns die Kraft gibt. Es ist Jesus, der auf uns wartet mit offenen Armen. Aber es sind wir, die laufen. Auf das Ziel hin. Auf ein Leben mit Gott – Jetzt und in Ewigkeit.
Und so gehen wir in die Karwoche und begleiten Jesus auf seinem Weg in Richtung Kreuz, in den Tod.
Mit Worten des Hebräerbriefs:
„Er hat das Kreuz auf sich genommen und der Schande keine Beachtung geschenkt. Dies tat er wegen der großen Freude, die vor ihm lag. Denkt doch nur daran, welche Anfeindungen er durch die Sünder ertragen hat. Dann werdet ihr nicht müde werden und nicht den Mut verlieren.“
Amen
Jesus war mir nie ein Ereignis
Ich trage meine Sündenlast
mein Kreuz selber
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