Eigentlich ist es noch zu früh, um einen Adventsimpuls zu schreiben, aber was soll’s – In den Supermärkten gibt es schon seit Wochen wieder Lebkuchen;) Und eine Vorbereitung auf die Vorbereitungszeit für Weihnachten kann ja nicht schaden. Hast du Lust, schon einmal ein bisschen reinzuschnuppern?:)
Lavendelduft
Ich kenne kaum eine Pflanze, die einen so starken (und wohlriechenden) Duft verbreitet wie Lavendel. Im Sommer bin ich öfters auf der Straße stehengeblieben, um zu schnuppern, wenn eine Wolke des lilanen Wehens ihren Weg aus einem Vorgarten zu mir fand. Es ist ein beruhigender Duft. Eine wohltuende Unterbrechung meines Alltagsweges.
Seit Neuestem habe ich für mich auch das Baden wieder entdeckt. Meine Badeessenz duftet ebenfalls nach Lavendel. Somit kann ich das mit der Beruhigung aus eigener Erfahrung bestätigen. Nach einer stressigen Woche im lila Wasser zu liegen, die heiße Luft zu schnuppern und zur Ruhe zu kommen – eine ideale Voraussetzung, um einfach mal nichts zu tun und anzukommen.
Umkehr
Nichts tun. Stehen bleiben. Das ist für mich eine Voraussetzung zur Umkehr. Denn das ist es ja, was die Adventszeit bewirken soll. Advent bedeutet Ankommen. Es geht darum, dass Jesus auf die Erde kommt. Und darauf sollen wir uns vorbereiten in dieser Zeit und umkehren zu Jesus. Der Advent ist eine „Bußzeit“. Eine Zeit der Reflexion, des Atemholens, des Überblicks, des „Reinspickelns“ in mein eigenes Leben. Eine Zeit, aus dem Zeitraffer in Slow Motion umzustellen, Bild für Bild meines Alltags vor mein inneres Auge zu halten und darüber nachzudenken, ob mir das gefällt, was ich da sehe – jetzt, wo ich mir Zeit nehme, es anzuschauen und wahrzunehmen. In dem Alltagstempo, das ich oft fahre, fällt mir manches womöglich gar nicht auf. Die kleinen Gewohnheiten, die ich mir angewöhnt oder abgewöhnt habe. Der Umgang mit der einen Freundin, der rauer geworden ist. Der eilige Schritt an den Schreibtisch, ohne mich vorher auf den Tag eingestellt zu haben. … All die kleinen und großen Situationen, die ich nicht sehe, wenn ich nicht stehen bleibe. Denn sie sind doch auch so schnell wieder vorbei. Stehen bleiben. Nichts tun. Mich umschauen. Wahrnehmen. Sehen, was ist. Doch dann nicht gleich wieder in Aktivismus verfallen, denn Advent ist nicht Neujahr. Die guten Vorsätze kommen noch früh genug.
Lavendelduft verbinde ich nun mit Zeit haben. Zeit für das, was ist. Ob ich es haben will oder nicht. Erstmal ist es da und ich darf es in Gottes Gegenwart ziehen lassen wie die langsam schweifenden Schwaden Lavendelluft um mich herum, bis sie sich langsam schwächer werdend verflüchtigen. Buße, Umkehr ist kein Optimierungsprogramm. Unser Körper kann vielleicht schnell reagieren, aber in vielen Fällen tut er das schneller als die Seele hinterherkommt. Im Advent hat meine Seele die Chance, zu meinem Kopf und meinem Körper aufzuholen, und die Zeit und Ruhe, mitzuteilen, was anders besser wäre – für mich und für meine Mitmenschen.
Lavendel ist ein tröstender Duft, der mir sagt: Das, was ist, ist in Ordnung. Du bist in Ordnung. In deiner Imperfektion. Und aus dem Einatmen dieser Gedanken kann ich mich umdrehen, umkehren. Umkehren zu diesem Kind in der Krippe, das herangewachsen ist, Vieles wie ich durchgemacht hat und das meine Rettung und Heilung geworden ist. Umkehren zu ihm, der mich GANZ macht, und der mir zeigt, was noch alles drin ist in meinem Leben. Denn da ist mehr drin.
Ja, Lavendel riecht für mich nach mehr.
Adventsduft
Eigentlich riecht Advent für die meisten nach Kerzen, Tannenzweigen, Zimt und Plätzchen. Für mich riecht er dieses Jahr auch nach Lavendel. Und ich möchte mich mit diesen Gedanken umgeben wie mit der wohltuenden Lavendelwolke. Das, was ist, ist da. Ich habe keinen Zeitdruck, sondern darf mir Zeit nehmen, um die Dinge anzugehen, die mich in meiner Slow-Motion-Ansicht aufgestört haben.
Wie erlebst du den Advent? Was hilft dir, zur Ruhe zu kommen? Was nimmst du dir dieses Jahr vor – für dich ganz persönlich, für deinen Kopf, deinen Körper, deine Seele? Wir Menschen sind nun mal – naja, ganz Mensch. Ganz: mit unserem Denken, unserem Fühlen – innerlich und äußerlich. Äußere Dinge wie Gerüche, Wärme und andere schöne Wahrnehmungen können sehr gut helfen, um innerlich Platz zu schaffen zum Nachdenken, Loslassen und Ausruhen. Hast du Zeit dafür?
Bild von Hans Braxmeier auf Pixabay