Wer ab und zu an einem Einrichtungsgeschäft vorbeischlendert, weiß: Beige, Braun, Weiß und Gold liegen schon seit einer Weile voll im Trend. Alles ist sehr dezent und wohlplatziert. Auch wenn ich mich manchmal darüber lustig mache, finde ich die Leute, die ihre Sachen aus den 80ern und 90ern wieder auspacken, echt klasse. Lila, türkis, gelb – nicht unbedingt meine Kombi, aber warum eigentlich nicht?! Das versprüht viel mehr Fröhlichkeit und Abenteuer, erregt Aufmerksamkeit.
Ich lebe mit allen Sinnen. In schöne Musik könnte ich mich reinlegen, leckeres Essen genieße ich total, gute Düfte, schöne Farben, Wärme, Weichheit. Wenn da etwas nicht passt, fällt es mir aber auch schnell auf. Deshalb finde ich es manchmal wirklich schade, dass der evangelische Wortgottesdienst oft nur, oder vor allem, die Ohren bedient. Ich würde es feiern, wenn ich auch sonntags im Gottesdienst Gott mit allen Sinnen erfahren könnte. In seiner Schöpfung, in meinem Alltag tue ich das ja auch.
So kommt ein Versuch, ein Anlauf: Ich hab mich noch nie so richtig mit den bunten Farben des Kirchenjahres auseinandergesetzt. Das will ich jetzt tun – mit allen Sinnen.

Aber vor ab eine kleine „Farbenlehre“. In den nächsten Wochen wird sich viel um die Farben lila (violett), weiß, rot, grün und schwarz drehen. Warum? Das sind die liturgischen Farben, die im Kirchenjahr eine Rolle spielen. Den Sonntagen, Festtagen, besonderen Anlässen sind Farben zugeordnet.

Lila findet ihr am Altar in der Vorbereitungszeit auf hohe Christfeste, denn diese Zeiten sind „Bußzeiten“, Zeiten der Reflexion, der Umkehr, der Besinnung. Im Advent, in der Passionszeit, am Buß- und Bettag wird also die Farbe Lila als Farbe der Buße und der inneren Vorbereitung gezeigt.

Weiß sieht man an den hohen Christusfesten, also in der Weihnachtszeit, der Osterzeit, an Trinitatis und an weiteren Festen, die auf Christus hinweisen. Weiß gilt nämlich als Symbol des Lichtes.

Rot ist die Farbe des Feuers und des Blutes der Märtyrer (also der Leute, die für ihren Glauben verfolgt wurden und sterben mussten). Es wird verwendet für Pfingsten (die Geschichte, wie der Heilige Geist als Feuerflammen sich auf den Jüngern niedergelassen hat, könnt ihr in der Apostelgeschichte in Kapitel 2,1-13 nachlesen), für Fest- und Gedenktage der Kirche, teilweise auch für Konfirmationen, Kirchweihen, Ordinationen etc.

Grün als Farbe der Schöpfung, der aufgehenden Saat und der Hoffnung sieht man an den Sonntagen nach Epiphanias (6. Januar), vor der Passionszeit, nach Trinitatis (Fest der Dreieinigkeit Gottes) und an Erntedank.

Schwarz ist ein Zeichen der Trauer. Das schwarze Parament (das gestaltete Tuch, das am Altar hängt) ist an Karfreitag dran und an Beerdigungen.
Ihr könnt ja schon einmal überlegen, was ihr mit diesen Farben verbindet und assoziiert. Welche Bilder, Gerüche etc. fallen euch ein? Meine Gedanken dazu und was die mit dem Kirchenjahr und den jeweiligen Zeiten zu tun haben, könnt ihr dann bald hier lesen und weiterbewegen.
Ich bin gespannt, was da zusammenkommt.