Es ist Morgen. Ich sitze wie jeden Morgen mit meinem Schwarztee auf dem Boden, noch etwas verschlafen, aber wach genug, um mir schon den Kopf über den anstehenden Tag zu zerbrechen. Die Konzentration fällt mir schwer. Gut, dass ich das, was mich beschäftigt, nicht alles neu und sofort formulieren muss. Gut, dass es ein Gebet gibt, das ich in so einer Situation sprechen kann.
Vor ein paar Monaten ist es mir zugelaufen – das Gebet von Romano Guardini, das mich seither begleitet und erfüllt. Mit diesem Gebet kann ich mir, bevor der Tag beginnt, bewusst machen: Es ist alles bereit. Gott weiß, was kommt, und das ist wahr. Gottes liebender Blick ruht auf mir und ich darf mich darin ausruhen, abgeschirmt von den kritischen Blicken anderer, die mich dauernd beurteilen, abgelenkt von meinem eigenen selbstkritischen Blick auf mich. Gott hat mich geschaffen und Er bestimmt mein Ziel. Er ist Schöpfer und Heil. Ich bin. Ich bin Sein. Ich bin allein durch Ihn, was ich bin. Ich bin vor Ihm, in seiner Gegenwart, den ganzen Tag. Und ich bin für Ihn. Mein ganzes Tun soll auf Ihn ausgerichtet sein.
So bin ich vorbereitet für das, was kommt.
Immerfort empfange ich mich aus deiner Hand.
Das ist meine Wahrheit und meine Freude.
Immerfort blickt dein Auge mich an
und ich lebe aus deinem Blick,
mein Schöpfer und mein Heil.
Lehre mich in der Stille deiner Gegenwart,
das Geheimnis zu verstehen, dass ich bin.
Und dass ich bin vor Dir
und durch Dich
und für Dich.
Amen.