Ein erster Versuch: Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld

In zwei Wochen beginnt die Passionszeit. Jedes Jahr suche ich nach Liedern, die das ausdrücken, was da vor sich geht. Ein Begriff ist gerade viel im Umlauf: „Generation Lobpreis“ – zu der gehöre wohl auch ich. Aber leider gibt es unter den neuen Liedern kaum reine Passionslieder. Vor zwei Jahren stieß ich auf „Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld“ (EG, Nr.83) und es hat mich tief berührt. Es findet Worte, wie ich sie nicht finden könnte. So machte ich mich daran, dem Lied eine Melodie zu geben, die mir eher liegt. Hier findet ihr das Ergebnis. Schaut doch mal auf den Text, lasst ihn auf euch wirken und hört es euch an. (Es ist – meinen Möglichkeiten entsprechend – noch sehr einfach gehalten.) Meine Lieblingsstrophe ist inzwischen Strophe 4 geworden. Wie ist es mit dir? Was verbindest du mit dem Lied?

1. Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld  der Welt und ihrer Kinder, es geht und träget in Geduld die Sünden aller Sünder. Es geht dahin, wird matt und krank, ergibt sich auf die Würgebank, entsaget allen Freuden. Es nimmt auf sich Schmach, Hohn und Spott, Angst, Wunden, Striemen, Kreuz und Tod, und spricht: Ich will’s gern leiden.

2. Das Lämmlein ist der große Freund und Heiland meiner Seelen; den, den hat Gott zum Sündenfeind und Sühner wollen wählen. „Geh hin, mein Kind, und nimm dich an der Kinder, die Ich aus getan zur Straf und Zornesruten; die Straf ist schwer, der Zorn ist groß, du kannst und sollst sie machen los durch Sterben und durch Bluten.“

3. „Ja, Vater, ja, von Herzensgrund, leg auf, ich will Dir’s tragen; mein Wollen hängt an deinem Mund, mein Wirken ist dein Sagen.“ O Wunderlieb, o Liebesmacht! Du kannst, was nie ein Mensch gedacht, Gott seinen Sohn abringen. O Liebe, Liebe, Du bist stark: Du streckest den in Grab und Sarg, vor dem die Felsen springen.

4. Mein Lebetage will ich dich aus meinem Sinn nicht lassen, Dich will ich stets, gleichwie du mich, mit Liebesarmen fassen. Du sollst sein meines Herzens Licht, und wenn mein Herz in Stücke bricht, sollst du mein Herze bleiben. Ich will mich dir, mein höchster Ruhm, hiermit zu deinem Eigentum beständiglich verschreiben.

5. Ich will von deiner Lieblichkeit bei Nacht und Tage singen, mich selbst auch dir nach Möglichkeit zum Freudenopfer bringen. Mein Bach des Lebens soll sich dir und deinem Namen für und für in Dankbarkeit ergießen; und was du mir zu gut getan, das will ich stets, so tief ich kann, in mein Gedächtnis schließen.

6. Das soll und will ich mir zunutz zu allen Zeiten machen; Im Streite soll es sein mein Schutz, in Traurigkeit mein Lachen, in Fröhlichkeit mein Saitenspiel; und wenn mir nichts mehr schmecken will, soll mich dies Manna speisen; im Durst soll’s sein mein Wasserquell, in Einsamkeit mein Sprachgesell zu Haus und auch auf Reisen.

7. Wenn endlich ich soll treten ein in Deines Reiches Freuden, so soll Dein Blut mein Purpur sein, ich will mich darein kleiden; es soll sein meines Hauptes Kron, in welcher ich will vor den Thron des höchsten Vaters gehen und Dir, dem Er mich anvertraut, als eine wohlgeschmückte Braut an deiner Seite stehen.

Text: Paul Gerhard
Melodie: Susanna Gärtner

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